Guten Tag Frau Lukas, vielen Dank, dass Sie die Zeit für uns gefunden haben! Am besten fangen wir doch gleich mit dem Elementarsten an: Wie geht es Ihnen?
Danke, mir geht es prima :-) Und ich freue mich sehr, dass Sie mir ein paar Fragen über meine Arbeit stellen wollen.
Sarah Lukas ist ja eigentlich gar nicht Ihr richtiger Name, sondern ein Pseudonym. Wie kam’s dazu und wieso haben Sie ausgerechnet diesen Namen gewählt? Also – mal abgesehen davon, dass er schön klingt. ;)
Dass er gut klingt, war natürlich ein wichtiges Kriterium. Das Pseudonym sollte auch nicht sperrig sein, denn ein komplizierter Name lenkt zu sehr vom Titel ab. Der Name Sarah hat mir schon immer gut gefallen, insofern fiel die Wahl leicht. Beim Nachnamen entschied ich mich dann für den Mädchennamen meiner Oma, weil er gut zu Sarah passte und einen echten Bezug zu mir hatte.
Dass es überhaupt zu einem Pseudonym kam, war die Entscheidung des Verlags, der eine klare Trennung zwischen den Genres schaffen wollte. Denn verglichen mit meinen vorherigen Büchern sind die Engel-Romane eine ganz andere, viel romantischere Richtung, und sie spielen nicht in einer eigenen Fantasy-Welt, sondern im Paris der Gegenwart.
Wir durften ja glücklicherweise schon in den Genuss von „Der Kuss des Engels“ kommen – was erwartet denn uns und andere Leser bei der Fortsetzung, „Der Kuss des Jägers“?
Eine ganze Menge! Rafael ist ja nun wieder ein guter Engel, was Sophies Liebe vor ganz neue Probleme stellt. Außerdem sitzt Jean ihretwegen im Gefängnis, obwohl er dringend gebraucht wird, um die besessene Lilyth zu retten. Sophie hat deshalb ein schlechtes Gewissen und versucht alles, um ihn bei der Polizei zu entlasten, womit sie aber sich selbst in Schwierigkeiten bringt. Und nicht zuletzt wird es ziemlich spannend, weil Kafziel noch immer nach ihrem Leben trachtet. Ohne Jean und Rafael an ihrer Seite muss sie nun lernen, sich allein gegen den Dämon zu wehren.
Wird es danach noch weitergehen und ein weiteres Buch (oder gar weitere Bücher) geben?
(Und eine ganz persönliche Frage: Es kommt nicht zufällig Pascal noch mal genauer vor? :D)
Es ist ein weiterer Band geplant, und damit wäre die Geschichte erst einmal wirklich abgeschlossen. Obwohl es nach dieser in sich abgeschlossenen Reihe natürlich neue Abenteuer für die Protagonisten geben könnte. Aber so weit plane ich zur Zeit nicht. Pascal ist übrigens wirklich eine besonders pfiffige, witzige Figur, und es könnte sein, dass er im dritten Band noch einmal auftaucht, wenn Sophie nach den sich überschlagenden Ereignissen in Band 2 wieder Luft hat, um sich um Madame Guimards Laden zu kümmern.
Um mal fies und direkt zu sein: Haben Sie eine Lieblingsfigur in diesen zwei speziellen Romanen? Oder generell bei Ihren Werken?
Eine richtige Lieblingsfigur, die alle anderen weit überragt, habe ich nicht. Alle Figuren, aus deren Perspektive ich schreibe, wachsen mir dabei ans Herz, weil ich die Geschichte durch ihre Augen sehe. Als Autorin muss ich ihre Gefühle mitleben, um sie glaubhaft und lebendig schildern zu können. Dadurch entsteht ein spezielles Band, und der Abschied, wenn ein Buch fertig ist, fällt manchmal nicht leicht. Daneben gibt es aber auch die manchmal nur kleinen Nebenrollen wie Pascal, die einfach Spaß machen, weil sie schnell ein Eigenleben entwickeln und Abwechslung in die Geschichte bringen.
Fies geht’s auch weiter: Haben Sie eine ihrer Geschichten, an der Sie am liebsten schreiben beziehungsweise bei der das am leichtesten geht?
Interessanterweise wechselt das. Nachdem ich etliche Jahre High Fantasy geschrieben hatte, hatte ich irgendwann das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Dass ich dann die Chance bekam, die Engel-Romane zu schreiben, war eine schöne Abwechslung, und das Schreiben ging wieder flotter von der Hand. Aber mittlerweile vermisse ich die High Fantasy schon und würde gern auch wieder in diesem Bereich schreiben.
Mal abgesehen vom Offensichtlichen wie Cover oder Genre – was ist für Sie der entscheidende Punkt, der „Der Kuss des Engels“ und „Der Kuss des Jägers“ von Ihren anderen Büchern grundlegend unterscheidet?
Das geht ein wenig in dieselbe Richtung wie meine vorige Antwort: Was es so erfrischend anders gemacht hat, die Engel-Romane zu schreiben, war das Setting. Endlich durften meine Figuren und ich einmal unsere moderne Sprache benutzen und die ganzen technischen Errungenschaften wie Handy, Internet, U-Bahn, etc. Außerdem konnte ich das Setting, also Paris besuchen und dann beim Schreiben auf meine Eindrücke, Erinnerungen und Fotos zurückgreifen. Ein großer Unterschied zu mehr oder weniger mittelalterlichen Welten, auch wenn ich durch meine Hobbys und das Landleben sicher mehr darüber weiß, als die meisten Leser.
Neu war aber auch, dass die Liebesgeschichte als treibende Kraft im Vordergrund stand. In meinen anderen Romanen gibt es durchaus auch Liebesgeschichten, sogar mindestens eine sehr romantische, aber sie sind für die Handlung nicht so zentrale Motive.
Um noch mal auf „Der Kuss des Engels“ zurückzukommen: Der Einstieg ist ja besonders gemein, gerade für die Protagonistin Sophie. Den Menschen, den man liebt, zu verlieren, wünscht man wohl niemanden. Wann und wie kamen Sie auf die Idee, den Roman darauf aufzubauen und mit dieser einen Szene zu beginnen?
Als ich mir überlegte, wie eine Liebesgeschichte zwischen einer Frau und einem gefallenen Engel aussehen könnte, kam ich sehr schnell auf den Gedanken, dass es reizvoll wäre, wenn sich die beiden schon zuvor geliebt haben. Wenn wir verliebt sind, ist es mit unserer Vernunft zwar oft nicht weit her, aber ich wollte es doch besonders glaubwürdig machen, warum Sophie an Rafael festhält – selbst nachdem sie weiß, dass er gefährlich ist. Ihre Liebe reicht über den Tod hinaus. Und in ihrer Verzweiflung würde sie alles dafür tun, um wieder mit ihrer großen Liebe vereint zu sein. Das macht sie zu einem idealen Opfer für einen Dämon wie Kafziel.
Glauben Sie eigentlich selber an Engel (und vielleicht auch Dämonen)? Was gab für Sie den Anlass, diesen Wesen eine Geschichte zu widmen?
Der Anlass für diese Geschichte hatte eigentlich nichts mit meinem Glauben zu tun, sondern mehr damit, dass ich das Thema dieses ewigen Kampfs der Engel gegen die Dämonen faszinierend fand, weil die Dämonen im Grunde auch Engel sind. Da lag es nahe, mich zu fragen, wie es zum Fall eines Engels kommt, ob man ihn rückgängig machen kann und welche Aufgaben die Dämonen im Weltgefüge haben.
Ich glaube, dass es Dinge gibt, die wir bis jetzt nicht durchschaut haben, weil wir sie mit den vorhandenen wissenschaftlichen Methoden nicht messen oder erfassen können. Wesen, die man für Engel oder Dämonen halten könnte, gibt es wahrscheinlich, sonst würden nicht so viele Menschen von ihnen berichten. Aber welche Form und welche Fähigkeiten sie wirklich haben, weiß ich nicht. In den Romanen habe ich eine Darstellung gewählt, die sich eng an die Bibel anlehnt, aber das ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss ;-)
Wie viel von Ihnen selbst steckt in Sophie – oder ist sie vollkommen losgelöst von Ihnen „entstanden“?
Das ist eine schwierige Frage. Oberflächlich betrachtet, haben Sophie und ich nicht sehr viel gemeinsam. Zum Beispiel habe ich ein sehr viel besseres Verhältnis zu meiner Mutter als die arme Sophie, deren Mutter eine echte Glucke ist. Aber wenn man genauer hinschaut, gibt es doch ein paar Überschneidungen. Wir sind beide höfliche, zurückhaltende Menschen, die erst mal eine Weile versuchen, sich auch mit weniger netten Zeitgenossen zu arrangieren, bevor sie richtig sauer werden. Natürlich haben wir auch beide eine Schwäche für Frankreich und Paris ;-) Und wenn wir uns in eine Sache festgebissen haben, dann ziehen wir sie durch – auch gegen alle möglichen Widerstände.
Nicht selten ist man ja nicht nur Autor, sondern auch Leser – was lesen Sie im Allgemeinen gerne? Haben Sie ein Lieblingsbuch, das Sie unbedingt weiterempfehlen würden?
Hm, ich finde, der Lesegeschmack ist etwas sehr individuelles. Mir ist schon oft passiert, dass ich mit Büchern, die mir andere heiß empfohlen haben, nicht viel anfangen konnte. Und umgekehrt glaube ich nicht, dass Bücher, die mir gefallen, auch alle anderen Leser begeistern müssen. Deshalb lege ich anderen keine Romane mehr ans Herz. Ich glaube viel mehr, dass jedem zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Bücher in die Hände fallen. Man darf sich da auf seine Intuition verlassen.
Im Allgemeinen lese ich gern Romane aus ganz verschiedenen Richtungen. Von Phantastik über Thriller bis zu romantischen Klassikern. Im Grunde wähle ich die Bücher aber eher nach Themen als nach Genre aus. Wenn mich das Thema anspricht, kaufe ich auch mal aus Sparten, bei denen ich sonst nie zugreife. Das liegt sicher auch daran, dass ich nicht nur unterhalten werden will. Ich erwarte von einem guten Roman, dass er mir auch neue Sichtweisen eröffnet, also meinen Horizont erweitert.
Gab es eigentlich einen gewissen Auslöser, bei dem Sie sich sagten, dass Sie nun das Schreiben zum Beruf machen wollen oder ist es „einfach so“ passiert?
Eigentlich wollte ich das Schreiben schon zu meinem Beruf machen, als ich noch in der Schule war. Ich wusste nur nicht, wie ich das anstellen sollte. Also habe ich erst einmal nebenher geschrieben und meine Manuskripte an Verlage geschickt. Für die Entscheidung „So, ab heute ist es wirklich mein Beruf“ gab es dann aber schon einen konkreten Auslöser. Das habe ich beschlossen, als ich meinen zweiten Buchvertrag unterschrieben habe.
Vermissen Sie Ihren Obstbaubetrieb auch manchmal?
Ja, manchmal finde ich es schon schade, nicht mehr so sehr mit der Natur zu leben. Wenn man einen landwirtschaftlichen Betrieb hat, erlebt man die Jahreszeiten viel intensiver und lernt, wie alles in der Natur miteinander zusammenhängt. Es macht auch Spaß, die Tiere zu versorgen, selbst wenn es oft harte Arbeit ist. Und nicht zuletzt vermisse ich das leckere, frische Obst! So etwas bekommt man im Supermarkt einfach nicht. Aber dafür habe ich nun mehr Zeit zum Schreiben, und das ist ein Vorteil, der sich nur schwer aufwiegen lässt :-)
Abschließend noch eine kleine Fangfrage: Wenn Sie Sophie wären, für wen würden Sie sich entscheiden: Rafael oder Jean?
*lach* Das ist wirklich eine Fangfrage, und ich muss mich leider weigern zu antworten. Wenn ich das verrate, weiß ja jeder, wie die Geschichte ausgeht.
Vielen Dank für dieses Interview!
Ich danke für die schönen Fragen!



