Inhalt
Ein kleines, nichtssagendes Örtchen irgendwo in Schweden, dessen Blütezeit lange zurückliegt. Das ist der Ort, an dem sich das Schicksal der gesamten Menschheit entscheiden soll. Und ausgerechnet sechs pubertierende Mädchen sollen die Auserwählten sein, die eben jenes Schicksal zu unseren Gunsten lenken sollen. Doch während Minoo, Vanessa, Ida, Rebekka, Anna-Karin und Linnéa noch dabei sind, ihr Schicksal zu begreifen, streift ein Schatten durch das Städtchen und fordert seine ersten Opfer. Von einem Selbstmordpakt ist die Rede, aber die Mädchen ahnen, dass mehr dahinter steckt. Doch ihnen läuft die Zeit davon. Denn während sie noch auf der Suche nach der Wahrheit sind, hat sich der unheilvolle Schatten bereits an ihre Fersen geheftet, um Jagd auf sie zu machen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, bei dem die Mädchen nicht nur gegen den Feind von außen, sondern auch gegen ihre eigenen Unstimmigkeiten kämpfen müssen. Denn nur der Zirkel bringt die Rettung …
Unsere Meinung
Ich will ganz ehrlich zugeben, dass ich ziemlich gespannt auf das Buch war. Aber ich hatte auch einige Befürchtungen, dass das viele Lob, das der Auftaktband zur Engelsfors-Trilogie im Vorfeld bekommen hat, leider mehr verspricht, als das Buch am Ende halten kann. Doch ich kann schon mal im Vorfeld sagen, dass meine hohen Erwartungen noch um einiges Übertroffen wurden.
Schon die ersten Seiten haben meine Zweifel verfliegen lassen. Denn statt eines langatmigen Einstiegs gerät man als Leser gleich mitten hinein in die düsteren, unheilverheißenden Geschehnisse, die sich am Gymnasium von Engelsfors zutragen. Und diese auf den ersten paar Seiten aufgebaute Spannung wird auch nahezu über das ganze Buch hinweg gehalten. Auch Dass sich die Geschehnisse nach dem spannungsgeladenen Auftaktkapitel zunächst eher auf die Vorstellung der Protagonisten konzentrieren, tut dem keinen Abbruch. Und bei der Zahl an Protagonistinnen ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Sechs Mädchen, die sich nur flüchtig kennen und vom Charakter her kaum unterschiedlicher sein können, müssen sich auf einmal zusammenraufen. Und obwohl ich auch hier Bedenken hatte, dass das Ganze etwas zu glatt ablaufen könnte, sollte ich wieder überrascht werden. Denn von schnellem Friede-Freude-Eierkuchen ist hier keine Spur zu sehen. Die Gegensätze, die man in den einzelnen Figuren findet, entwickeln eine ganz eigene Magie und sorgen dafür, dass die Geschichte im Allgemeinen und die Interaktion der Mädchen untereinander immer ein bisschen unvorhersehbar bleibt. Das gibt der ganzen Geschichte eine sehr lebendige, abwechslungsreiche Nuance. Rebekka, Ida, Linnéa, Minoo, Anna-Karin und Vanessa sind so vielschichtig und authentisch, dass vermutlich jeder Leser sich mit der einen oder anderen von ihnen identifizieren kann. Man erlebt ihren Werdegang, den Prozess, wie sie in ihren eigenen kleinen Problemen stecken, während sich schon etwas viel Größeres anbahnt. Und während sie noch damit zu kämpfen haben zeigt sich erst nach und nach, wo ihre großen und kleinen Schwächen liegen. Es fällt einem nicht schwer, sich auf ihre Seite zu schlagen, aber ebenso leicht ist es mir gefallen, das ein oder andere Mädchen etwas weniger zu mögen, weil ihr Verhalten so unangebracht erschien oder teilweise einfach nur dumm erscheint. Es ist den Autoren gelungen, durch ihre Erzählweise und den wirklich sehr ausgefeilten Aufbau mir als Leser das Gefühl zu geben, dass ich ein Teil der Gruppe bin. Das ist einer der Hauptpunkte, die den Charme der ganzen Geschichte ausmacht.
Aber natürlich ist es nicht nur den ausgefeilten, vielschichtigen Protagonisten und ihren mehr oder weniger wichtigen Nebencharakteren zu verdanken, dass der Roman von der ersten bis zur letzten Zeile zu fesseln vermag. Nein, auch die Idee dahinter hat ein enormes Potential, das die Autoren auf nahezu unvergleichliche Weise auszuschöpfen wissen. Es ist diese Kollision zwischen dem Ende der Welt, das unweigerlich droht, und den kleinen privaten Machtkämpfen, die die Gruppe trotz allem gegeneinander – oder gegen andere – führt, die den Reiz der Geschichte ausmacht. Die Mädchen bleiben trotz ihrer Fähigkeiten Mädchen, mit all ihren pubertären Sorgen, Ängsten und Schwächen.
Sie entwickeln sich, wie sich die Geschichte entwickelt. Und das für mich Wunderbare war, dass diese Entwicklung nicht geradlinig verläuft, sondern dass es auch mal Rückschläge zu verzeichnen gibt. Die Geschichte wird dadurch nicht nur extrem spannend und mitreißend, sondern auch sehr unvorhersehbar. Bei vielen Geschichten, vor allem was das Genre Fantasy betrifft, vermisse ich das leider allzu oft. Aber bei „Zirkel“ ist es den Autoren gelungen, mich wirklich zu überraschen und mich auch teilweise aufs Glatteis zu führen. Ich hätte weder mit einigen der überraschenden Wendungen noch mit den Offenbarungen am Ende gerechnet. Ebenso war ich an der einen oder anderen Stelle wirklich den Tränen nahe, während mir eine andere Passage ein erheitertes Schmunzeln entlockt hat.
Einzig die „Offenbarung“ von Minoos besonderer Fähigkeit hat mir nicht ganz so gut gefallen, weil sie mir irgendwie ein bisschen zu übermächtig vorkommt. Aber ich will kein zu vorschnelles Urteil darüber abgeben, weil zu diesem Punkt in der Geschichte einfach bisher zu wenig bekannt ist. Ich hoffe einfach darauf, dass das nur der erste Eindruck war, der sich in den nächsten beiden Bänden verflüchtigt. Und die beiden Teile haben es sicher nicht leicht, die Messlatte zu erreichen, die „Zirkel“ für sie gesetzt hat.
Fazit
„Zirkel“ ist ein überaus gelungenes Buch, das kaum einen Wunsch offen lässt. Es weiß mit einer gehörigen Portion Spannung und einer gut durchdachten, mitreißenden Story zu überzeugen und darum kann ich eigentlich nur eines sagen: Lesen!



